Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist und von der Glandula pinealis (Zirbeldrüse) gebildet wird.3,4 Außer einer direkten schlafinduzierenden Wirkung hat es unter anderem auch einen Einfluss auf die Synchronisation des inneren zirkadianen Rhythmus mit der Außenwelt.
Die „Innere Uhr“, die im Nucleus suprachiasmaticus (NSC) im Hypothalamus lokalisiert ist, sendet bei Dunkelheit ein Signal an die Zirbeldrüse, das dort die Synthese von Melatonin aktiviert.3,4
Die neurobiologischen Zusammenhänge, die bei ADHS zu Schlafproblemen führen können, sind noch nicht vollständig bekannt.5 Sie scheinen jedoch mit einer zirkadianen Störung zusammenzuhängen, infolgedessen der abendliche Anstieg der Melatoninfreisetzung bei Dämmerlicht (DLMO) deutlich verzögert ist.5
Daher lag bei diesen Patienten die abendliche Gabe von exogenem Melatonin als therapeutische Option nahe, sofern Maßnahmen der Schlafhygiene nicht ausreichend waren.
Eine Therapie mit Melatonin kommt in der Kinderheilkunde in Betracht, wenn4
- nicht organische Ein- oder Durchschlafstörungen vorliegen
- in der Anamnese und in der klinisch-neurologischen Untersuchung keine Auffälligkeiten bestehen
- Schlafhygienemaßnahmen und verhaltenstherapeutische Interventionen nicht den gewünschten Erfolg brachten
- eine Diagnose besteht, zu der randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) oder Fallberichte bzw. -serien mit Hinweisen auf die Wirksamkeit einer Behandlung mit Melatonin vorliegen.
Diese Voraussetzungen sind in der Indikation Insomnie („chronic sleep onset insomnia“; CSOI) bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS erfüllt.
Zum Einsatz von Melatonin bei Schlafstörungen von Kindern und Jugendlichen, unter anderem mit ADHS, liegen mittlerweile verschiedene randomisiert-kontrollierte Studien, Metaanalysen und Real World-Daten vor, die die gute Wirksamkeit von Melatonin in Bezug auf die Verbesserung der Gesamtschlafdauer bei guter Verträglichkeit bestätigen.7-10