Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS
Schlafstörungen sind eine häufige Komorbidität bei ADHS: Bis zu 70 % der Kinder und Jugendlichen sind davon betroffen.1-3
Bei der Mehrheit treten Schlafprobleme vorübergehend auf, bei rund 10 % halten sie jedoch über ein Jahr an.1
ADHS-bedingte Schlafstörungen äußern sich typischerweise mit1,3,5
- höherer Schlafresistenz
- Schwierigkeiten beim Einschlafen
- leichterem Schlaf
- schlechter Schlafqualität
- fragmentiertem Schlaf mit nächtlichen Aufwachphasen aufgrund von Unruhe oder Bewegungen
- kürzerer Schlafdauer
Referenzen:
1. Larsson I et al. Sleep interventions for children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD): A systematic literature review.
Sleep Med 2023; 102: 64-75
2. Checa-Ros A et al. Low Doses of Melatonin to Improve Sleep in Children with ADHD: An Open-Label Trial. Children (Basel) 2023; 10: 1121
3. https://www.sleephealthfoundation.org.au/sleep-topics/adhd-and-sleep-in-children. Abruf 12.03.24
5. Becker SP. ADHD and sleep: recent advances and future directions. Curr Opin Psychol 2020; 34: 5
Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS führen häufig zu Tagesschläfrigkeit, die sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt.1-4
Zudem sind die Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität bei Kindern, die unter Tagesschläfrigkeit leiden oft beeinträchtigt.1-4
Darüber hinaus werden Schlafstörungen mit schlechteren schulischen Leistungen, erhöhtem elterlichen Stress und Beeinträchtigungen der elterlichen Gesundheit in Verbindung gebracht.1-4
Referenzen:
1. Larsson I et al. Sleep interventions for children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD):
A systematic literature review. Sleep Med 2023; 102: 64-75
2. Checa-Ros A et al. Low Doses of Melatonin to Improve Sleep in Children with ADHD: An Open-Label Trial. Children (Basel) 2023; 10: 1121
3. https://www.sleephealthfoundation.org.au/sleep-topics/adhd-and-sleep-in-children. Abruf 12.03.24
4. Cortese S et al. Sleep in children with attention-deficit/hyperactivity disorder: Metaanalysis of subjective and objective studies.
J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2009; 48: 894-908
Die neurobiologischen Zusammenhänge, die bei ADHS zu Schlafproblemen führen können, sind noch nicht vollständig bekannt.6 Sie scheinen jedoch mit einer zirkadianen Störung zusammenzuhängen, infolgedessen der abendliche Anstieg der Melatoninfreisetzung bei Dämmerlicht (DLMO) deutlich verzögert ist.6
Darüber hinaus ist Schlaflosigkeit eine der häufigsten Nebenwirkungen, die klassischerweise Psychostimulanzien zugeschrieben werden, insbesondere den Formulierungen mit verlängerter Wirkstofffreisetzung von Methylphenidat, wie sie für die Behandlung von ADHS eingesetzt werden.2
Referenzen:
2. Checa-Ros A et al. Low Doses of Melatonin to Improve Sleep in Children with ADHD: An Open-Label Trial. Children (Basel) 2023; 10: 1121
6. Van der Heijden KB et al. Idiopathic Chronic Sleep Onset Insomnia in Attention‐Deficit/Hyperactivity Disorder:
A Circadian Rhythm Sleep Disorder. Chronobiol Int 2005; 22: 559-70
Eine Studie von de Souza et al. konnte erstmals nachweisen, dass bei Kindern mit ADHS und Ein- und Durchschlafstörungen eine zu geringe nächtliche Produktion von Melatonin vorliegt und dies Einfluss auf das Verhalten hat.1
Insgesamt nahmen 29 Kinder mit ADHS und 28 ohne ADHS im Alter von sechs bis 14 Jahren an der Studie teil.1 Für die Evaluation der Schlafstörungen wurden die Schlafstörungsskala für Kinder (Sleep Disorders Scale for Children; SDSC) und zur objektiven Bewertung des Schlaf-Wach-Zyklus die Aktigraphie eingesetzt. Der Melatonin-Gehalt wurde mittels eines Speicheltests gemessen, der um 13.00 Uhr und 01.00 Uhr entnommen und mit ELISA bestimmt wurde. Die Verhaltensaspekte erfasste man mit Hilfe des Fragebogens zu Stärken und Schwächen (Strengths and Difficulties Questionnaire; SDQ).
Kinder mit ADHS zeigten im Vergleich mit der Kontrollgruppe1
- signifikant häufiger Schlafstörungen, eine signifikant höhere Schlaflatenz
und eine signifikant geringere Schlafeffizienz (alle drei Parameter p < 0,001) - einen signifikant geringeren nächtlichen Melatoningehalt im Speichel (p < 0,001)
o Bei 72,8 % der ADHS-Gruppe war der nächtliche Melatoningehalt niedriger als für das Alter erwartet
o In der ADHS-Gruppe zeigte der Melatoningehalt bei einigen Kindern keine Tag-Nacht-Variation - signifikant mehr emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen sowie einen höheren
- Gesamtproblemwert (p < 0,05 bzw. p < 0,001)
Referenzen:
1. de Souza ALDM et al. Neurological Research 2024; 4: 1-9
Wie eine Studie von Checa-Ros et al. zeigte, kann eine niedrige Melatonin-Dosis (1 mg) die Gesamtschlafzeit bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS unter Behandlung mit Psychostimulanzien verbessern.2 Die Untersuchung umfasste 27 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 15 Jahren (mittleres Alter 9,8 Jahre) mit ADHS, die seit kurzem Methylphenidat retard in einer Tagesdosis zwischen 0,7 und 1 mg/kg erhielten.
Die Studienmedikation bestand aus 1 mg schnell freisetzendem Melatonin 30 Minuten vor dem Schlafengehen über vier Wochen.2 Vor Beginn der Behandlung musste ein siebenwöchiges Schlaftagebuch geführt werden, zudem wurden vor und nach der Melatonin-Gabe über sieben Tage aktigraphische Schlafuntersuchungen durchgeführt.
Laut Autor*innen war das bemerkenswerteste Ergebnis nach einem Monat Behandlung mit niedrig dosiertem, schnell freisetzendem Melatonin die signifikante Zunahme der mittleren Schlafdauer von 463 Minuten auf 485 (Minuten (p < 0,040).2 Zudem verbesserten sich die Einschlafzeit, das nächtliche Aufwachen sowie die Schlafeffizienz. Die Verträglichkeit war insgesamt gut, es wurden nur geringfügige Nebenwirkungen in Form von leichten und vorübergehenden Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit berichtet.
Referenzen:
2. Checa-Ros A et al. Children (Basel) 2023; 10: 1121
